Sinn und Unsinn von Nahrungsergänzungsmitteln

„Wirkstoffe in flüssiger Form werden vom Körper rascher aufgenommen.“

Dr. Lutz Lautenbacher
(Apotheker für pharmazeutische Analytik und Lebensmittelchemiker)

Beim Thema Nahrungsergänzungsmittel gehen die Meinungen oft weit auseinander - von hochgepriesen bis total verzichtbar. Ein guter Anlass, das Thema einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Herr Dr. Lautenbacher, was halten Sie von Nahrungsergänzungsmitteln? Macht die Einnahme Sinn?

Die Frage ist zu pauschal formuliert, um sie konkret beantworten zu können. Die einfachste Antwort wäre: Ja klar, wenn Sie einen Mangel haben. Dann wäre die Einnahme sogar äußerst sinnvoll. Die Frage müsste differenzierter ausfallen: Wann genau ist die Einnahme sinnvoll und wie kombiniere ich sie richtig – mit meiner Nahrung und/ oder mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln?

Wie lautet dann Ihre Antwort?
Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Auf dem Markt können wir derzeit unterschiedliche Entwicklungen beobachten. Es gibt zahlreiche hoch dosierte Monoprodukte mit beispielsweise „nur“ Vitamin C. Denen gegenüber stehen und die sogenannten A-Z-Produkte. Diese versprechen, die empfohlene Tagesdosis einer ganzen Reihe von Nährstoffen abzudecken.

Was ist sinnvoller, Mono- oder Vielstoffprodukte?
Auch das lässt sich nicht pauschal beantworten. Der Vorteil von Produkten mit einer „Mono-Wirkung“ ist dann klar gegeben, wenn erwiesen ist, dass genau bei diesem Nährstoff oder Vitamin ein Mangel vorliegt. Ein weiterer Vorteil ist, dass es zu deutlich weniger Interaktionen, Allergien und/oder Wechselwirkungen zwischen dem Nahrungsergänzungsmittel, der Ernährung und oft zusätzlich eingenommenen Medikamenten kommen kann. Umgekehrt betrachtet liegt hier aber auch das Problem. Viele Mängel können nicht mit einem einzigen Wirkstoff allein erfolgreich behoben werden. Meist werden unterschiedliche und in Auswahl und Dosierung aufeinander abgestimmte Kombinationen notwendig sein.

Also dann doch lieber gleich alles von A-Z?
Vielstoffprodukte versuchen möglichst alle Vitaminen Mineralstoffe und Spurenelemente miteinander zu kombinieren, um so möglichst alle Probleme auf einmal zu „erschlagen“. Der klare Nachteil liegt im Gießkannenprinzip, mit dem versucht wird, alle denkbaren Ernährungsdefizite auf einmal abzudecken, ungeachtet der Einzelsituation des Betroffenen. Damit erhöht sich aber die Gefahr von Allergien sowie unerwünschten Wechselwirkungen mit Arzneimitteln oder der Ernährung. Ein anderer Kritikpunkt ist, dass wir im besten Fall nur „teuren Urin“ produzieren. Im schlechtesten Fall kann eine schleichende Überdosierung auftreten, die der Gesundheit schadet.

Was ist dann die Lösung?
Diese liegt wie bei so vielem aus meiner Sicht in der Mitte. Wichtig ist, ausgehend vom jeweils individuellen Problem, eine auf die Person zugeschnittene Rezeptur zu entwickeln. Dabei sollten auch unterschiedliche Wirkprinzipien kombiniert werden. So lassen sich Überdosierungen gut vermeiden. Nach dieser Methode geht beispielsweise die Firma Neuner’s aus Tirol vor, die Nahrungsergänzungsmittel zu ganz bestimmten „Lebensthemen“ zusammenstellt. Ein großes, aber wenig beachtetes Feld ist übrigens auch die Darreichungsform.

Gibt es auch dazu neue Erkenntnisse?
Das Neue ist hier wie so oft etwas Altes bzw. etwas, das in Vergessenheit geraten ist: flüssige Elixiere. Der ganz große Vorteil ist hier die schnelle Resorption. Die Wirkstoffe werden schneller vom Körper aufgenommen. Tonika waren noch in den 70er Jahren sehr modern. Heute haben sich hochwertige Hersteller diesem Prinzip wieder angenommen. Der Traditionsbetrieb Neuner’s hat beispielsweise eine Elixier-Reihe entwickelt, die an die Auswahl und Qualität der verarbeiteten Rohstoffe höchste Anforderungen stellt.